
Der Faltenraum
Anna Anvidalfarei
17. Juni 2025 – 29. Juni 2025
Diplomausstellung, Exhibit, Akademie der bildenden Künste Wien
In den letzten drei Jahren habe ich viele Arbeiten zum Thema Bauch gemacht. Von Anfang an hatte ich die Vision einer „Bauch-Bühne“ – der Bauch als Schauplatz. Der Wunsch war da, diesen immer geschlossenen Raum in eine Bühne zu verwandeln und vor einem Publikum zu öffnen.
Mit diesem Gedanken begann ich, Bauch-Studien zu machen und Bauch-Arbeiten zu entwickeln. Wandobjekte und Prothesen für Fotografien und Videos sind in dieser Zeit entstanden. Die Wandobjekte haben oft Öffnungen gehabt, um diese innere Ebene von der äußeren Ebene zu trennen.
Mit der Arbeit Der Faltenraum wollte ich die innere räumliche Ebene betonen und dabei das Objekt von der Wand zu trennen.
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert:
Die äußere Form: der Bauch, der innere Faltenraum und dazwischen die Öffnung.
Der in sich geschlossene Bauch.
Für mich ist der Bauch ein introvertierter Ort. Ein in sich gekehrter Raum.
Ein mysteriöser, schwer greifbarer Bereich des Körpers.
Der Bauch ist für mich etwas rein Körperliches und deshalb schwer mit dem Kopf und mit Sprache zu fassen.
Sprache steht im Kontrast zu dieser Körperlichkeit.
Allein sich eine Frage zu stellen, steht im Widerspruch zum Körperlichen.
Ein Körper fragt nicht, er ist. Er fühlt. Und er ist einfach da.
Ein Raum der Tiefe, der Bewegung. Ein Ort, an dem viel passiert. Und für mich die sich wiederholende Frage:
Was ist da drinnen? Was passiert?
Ein Wunsch, den Bauch zu erzählen.
Doch man sieht nie hinein – obwohl er immer spürbar ist.
Daraus ergibt sich das Bedürfnis, diesen geschlossenen Raum zu öffnen.
Die Form, die ich für diesen Bauch erarbeitet habe, ist die eines Kastens. Ein geformter Bauch. Kantig. Eine Form, die mit Zwang, Strenge und Starre zu tun hat. Diese Introvertiertheit und das Innehalten des Bauches werden durch diese Form betont. Sie macht die introvertierte Strenge und Innehalten des Bauches sichtbar.
Das Hineinschauen zeigt sich in meiner Arbeit oft durch Öffnungen. Es sind Eingriffe, die einen Blick ins Innere ermöglichen. Dabei spielt das Medium Objekt eine wichtige Rolle. Beim Objekt kann das Innere tatsächlich drinnen sein, das Äußere draußen. Die verschiedenen Ebenen haben alle einen realen,
physischen Platz.
Im Inneren des Bauches befindet sich die Faltenlandschaft.
Die Falten sind ein Komplex. Eine organische Form. Eine Form, die in dem Moment, wo sie entsteht, schon die nächste Falte nach sich zieht. Eine Form, durch die das Innere zum Äußeren wird – und umgekehrt. Falten haben eine interessante Bewegung. Sie sind eine Unendlichkeit an Möglichkeiten – ein kontinuierliches Ineinandergehen. Alles ist miteinander verwoben.
Die Falte stellt sich dem Glatten entgegen. Ein ständiges Umkehren von Innen und Außen, von oben und unten – weil die Faltung ständig ihre Richtung wechselt. Ein Komplex, dem man nicht hinterherkommt. Der immer schon woanders ist.
Und so: der Bauch.







