
Selbstgenügsame Orte des Sinns
Anna Anvidalfarei
20. Oktober 2025 – 1. November 2025
In der Ausstellung „Selbstgenügsame Orte des Sinns“ erscheint der Körper als Schauplatz. Fragmentiert lösen sich einzelne Teile vom
Gesamtbild, treten eigenständig hervor und werden zu Orten von Inszenierungen. Diese Körperteile erscheinen als eigenständige,
bedeutungsgeladene Fragmente. Sie sind nicht länger Teil eines Ganzen, sondern selbstgenügsame Orte des Sinns und der Intensität –
Ohren, Hände, Bäuche. Jedes Fragment trägt eine doppelte Ebene: Es ist zugleich Körperteil und Träger eines inneren Geschehens.
Ist es der reale oder der fiktive Ort, den wir sehen? Ist es der sichtbare Zustand der Dinge oder sind es die Dinge selbst, die einen Wandel
durchlaufen? Das, was wir in Annas Werken sehen, ist die materielle Übersetzung jener Zustände, die zu einem untrennbaren Teil des
Körpers werden. So verschwimmen Fiktion und Realität – und neue Formen und Wahrnehmungen entstehen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei bestimmten Körperteilen wie dem Bauch, dessen Öffnung Einblicke in das Innere gewährt. Diese
Öffnungen verbinden Geschehen und Ort, Innen und Außen, Tragendes und Getragenes, Bühne und Spiel.
Dieses Öffnen ist nicht nur ein physischer Eingriff, sondern eine existentielle Geste, die das Verborgene sichtbar macht und narrative
Räume eröffnet. In vielen Arbeiten zeigt sich diese Vorgehensweise als eine Art Körperanalyse – das Erkunden des Körpers als
Resonanzraum für Empfindungen und Zustände.
Mit der Aufteilung des Körpers in einzelne Teile spaltet sich auch das Gefühl auf: Es erscheint nicht als einheitliche Erfahrung, sondern als
eine Vielzahl von Ausdrucksweisen. Ein und derselbe Zustand – etwa Paranoia – wirkt sich im Ohr anders aus als im Bauch, trägt dort eine
andere Intensität, eine andere Form. Durch dieses Zergliedern und Fragmentieren wird sichtbar, dass Zustände keine geschlossenen
Ganzheiten sind, sondern sich durch Körperteile hindurch differenzieren. Die Fragmentierung wird so zum methodischen Werkzeug, um Zustände präziser zu erkunden und in ihrer Vielschichtigkeit erfahrbar zu machen.
Wir sind nicht nur in einem Körper, sondern wir haben ihn und können gleichzeitig auf ihn blicken. So erleben wir unseren Körper innen
und außen zugleich; dieser wird zur Bühne, auf der wir uns selbst zum Betrachter werden.






